Geschichte, Gegenwart und Zukunft des FD
In den späten 40ern des vergangenen Jahrhunderts führte die IYRU eine neue Klasse, den Tornado (nicht zu verwechseln mit dem Katamaran), ein. Diese wurde jedoch nicht angenommen, da sie keinen Fortschritt im Vergleich zu den vor dem Krieg etablierten Klassen bot.
Der Königliche Yachtclub in Loosdrecht hatte ein halbes Dutzend dieser Boote bekommen, die als, gelinde gesagt, sehr uninteressant empfunden wurden. Dies rief Conrad Gulcher auf den Plan, der schon lange Interesse am Jollensegeln und alles gesammelt hatte, was ihm zu diesem Thema über den Weg lief. Schon vor dem Krieg war er in Deutschland und Großbritannien gesegelt und der Meinung, dass es mit den modernen Methoden des Yachtbaus möglich sein musste, ein besseres Boot zu bauen. Er entschloss sich daher dazu, etwas zu unternehmen.
Da er Versicherungsmakler und nicht Bootsbauer war, schloss er sich mit Uus van Essen zusammen, einem Bootsbauingenieur und V ermesser des niederländischen V erbands. Gemeinsam erstellten sie die ersten Entwürfe, die noch der damals populären 15 m2 Wanderjolle und dem Flying Fifteen entsprachen. Diese verschickten sie Anfang September 1951 an 30 führende Steuerleute, u.a. auch an Manfred Curry und baten diese darum, zu den Entwürfen Stellung zu nehmen. Ende September hatten sie 23 Antworten mit einer ganzen Reihe von Anregungen und Ideen, anhand derer sie ihre Entwürfe überarbeiteten.
Leider war die IYRU nur dazu bereit, das Boot auf der Versammlung 1952 zur Diskussion zu stellen, wenn es bis dahin auch wirklich segelt. Obwohl dies beinahe unmöglich war, gelang es Conrad, in einem Monat die Form zu bauen und in einem weiteren den Rumpf fertig zu stellen. Er verwendete zunächst das Rigg des Tornados und eine Woche vor der Versammlung fanden erste Testwettfahrten gegen den Scharpie und den Tornado statt. Dies reichte der IYRU aus und es wurde entschieden, dass im Sommer weitere Vergleichswettfahrten in den Niederlanden stattfinden sollten. In der Versammlung schlug Peter Scott, damals Präsident der IYRU, auch den Namen „Flying Dutchman“ vor.
Die Vergleichswettkämpfe fanden zum einen in Loosdrecht und zum anderen in Muiden statt. Insgesamt nahmen 17 verschiedene Klassen teil. Einige wurden eigens für diesen Zweck konstruiert, wie z.B. Osprey und Typhoon, die anderen gab es schon länger, wie Hornet, Sharpie und die Rennjolle.
Die Ergebnisse waren eindeutig und der FD wurde von der IYRU angenommen, zunächst allerdings mit der Einschränkung „nur für Seen“. Gleichzeitig wurden weitere Tests anberaumt, die 1953 auf dem Meer, in La Baule stattfanden. In der Zwischenzeit wurde die damals noch vorgesehene kleine Fock durch die Genua ersetzt und das Trapez eingeführt.
In La Baule musste der FD sich gegen einige speziell konstruierte Boote behaupten, z.B. die Coronet, einen Vorläufer der 505. Schon damals deutete sich das heutige Duell an, da die Coronet wegen des größeren Spinnakers und Großsegels vor dem Wind schneller war. Am Wind hatte das Boot jedoch keine Chance. Als Ergebnis der Tests wurde die Beschränkung auf Seen aufgehoben. Gleichzeitig begann die lange Blütezeit des FD, nicht zuletzt auch wegen des persönlichen Einsatzes von Conrad und der gut organisierten Klassenvereinigung.
1956 nahmen Conrad und Bob Boeschoten mit dem FD an einem Rennen über den Ärmelkanal teil und waren schnellste Jolle.
1957 war ein entscheidendes Jahr für den FD, als er von der IYRU als Ersatz für den Sharpie für die olympischen Spiele 1960 in Rom ausgewählt wurde.
1959 führte der damalige Präsident der IFDCO den Pokal für die Weltwoche ein, die sich mit ihrer unbegrenzten Teilnehmerzahl als großer Erfolg erwies. Das Niveau war sehr hoch, das Segeln blieb aber freundlich. Anfang der 60er gab es dann nationale Flotten nicht nur in Europa, Amerika und Ozeanien sondern auch in exotischen Ländern, wie dem Libanon, Marokko, Ostafrika, Venezuela und Thailand. Konsequenter Weise wurden die Felder immer größer. So nahmen an der Weltwoche 1965 beispielsweise 125 Boote aus 24 Nationen teil.
Die Klassenregeln wurden in der Zwischenzeit dahingehend weiterentwickelt, dass gewisse Faktoren, wie Rumpf, Gewicht, Ruder, Schwert und Segel reglementiert wurden, alles andere dahingegen frei blieb. Die Entwicklungen, die hieraus resultierten, wie z.B. das Trapez, die Spinnakertüte, Doppelböden und Fenster in den Segeln und nicht zuletzt auch das Rake wurden später oft von anderen Klassen übernommen.
Der Olympiastatus und die technische Entwicklung aber auch die einmaligen Segeleigenschaften führten dazu, dass eine ganze Reihe von Weltklasseseglern ihr Glück im FD suchten, oft auch fanden und umgekehrt auch dem FD ihren Stempel aufdrückten. Mark Bethwaite, die Gebrüder Diesch, Paul Elvstrom, Hans Foch, Keith Musto, Rodney Pattison und Ted Turner waren nur einige von ihnen.
1992 verlor der FD dann den olympischen Status, was zwei gegenläufige Bewegungen in der Klasse auslöste. Einerseits konnten und wollen die Segler, die olympische Ambitionen hatten, nicht länger FD segeln und in einigen Regionen der Welt verschwand der FD ganz. Andererseits wurde das Boot für diejenigen, die sich keine begründeten Hoffnungen auf die Teilnahme an olympischen Spielen machen konnten, jedoch interessanter. Dies hatte zur Folge, dass die Klasse zunächst etwas schrumpfte, sich dann aber auf hohem Niveau stabilisierte. Um nur einige Beispiele zu nennen, seien die WM am Gardasee 1995 mit 123 Booten, die WM in Den Oever 1998 mit 112 Startern und die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des FD mit ca. 100 Teilnehmern genannt. Bei internationalen Meisterschaften in Europa liegen die Meldezahlen derzeit ca. bei 80 Booten, für die WM 2009 in Medemblick (NL) werden sogar wieder deutlich mehr als 100 Boote erwartet.
Die weltweit stärkste Flotte segelt derzeit in Deutschland mit ca. 150 Teams in der Rangliste und gut über 30 Ranglistenregatten im Jahr, an denen regelmäßig bis zu 50 Boote teilnehmen.
Auch die technische Entwicklung geht nach wie vor weiter. So hat die Einführung des Carbonriggs das Boot nicht nur schneller sondern auch noch angenehmer zu segeln gemacht. Dabei hat die Haltbarkeit und Wettkampftauglichkeit der Boote nicht gelitten, da der Rumpf bewusst nicht verändert wird. So ist es bis zum heutigen Tag kein Problem, Regatten mit Booten zu gewinnen, die Mitte der 80er Jahre gebaut wurden, wenn das übrige Material regelmäßig erneuert wurde. Dies führt dazu, dass ein Einsieg in die Klasse mit verhältnismäßig überschaubaren finanziellen Aufwand möglich ist.
Neben dem eigentlichen Segeln sind es vor allem die Feste bei jeder Regatta, die dafür sorgen, dass immer wieder neue Teams mit dem „Virus“ FD infiziert werden und diejenigen, die ihn erst einmal haben, ihn nur sehr schwer wieder los werden. Hinzu kommt noch, dass die über die ganze Welt verteilten internationalen Veranstaltungen, wie z.B. WMs in den USA, Australien und Neuseeland sowie regelmäßige Regatten in ganz Europa die Möglichkeit geben, die schönsten Teile der Welt kennen zu lernen und neue Freunde zu finden.